Humanoid oder Greifarm?
Für meine Shows stelle ich mir gerade sehr konkret genau diese Frage. Auf der Bühne arbeite ich bereits mit einem abstrakten Roboter in Form eines Greifarms. Parallel dazu entwickle ich aktuell eine zweite Variante desselben Entertainment-Gedankens: eine Show mit einem humanoiden Roboter. Zwei völlig unterschiedliche Ansätze, die jedoch dieselbe Ausgangsfrage teilen und sich besonders gut für Events und Veranstaltungen eignen, bei denen es nicht nur um einen Effekt geht, sondern um Haltung, Einordnung und einen echten Impuls. Wer heute einen Roboter für ein Event buchen möchte, bucht selten nur Technik. Gebucht wird eine Geschichte, ein Bild von Zukunft, ein Moment der Reibung zwischen Mensch und Maschine.
Mit welchem Roboter würden Sie in Zukunft lieber zu tun haben?
Mein eigener Zugang zu diesem Thema ist kein kurzfristiger Trend. Ich habe 2008 an der heutigen Berliner Hochschule für Technik mein Maschinenbaustudium der Theater- und Veranstaltungstechnik abgeschlossen. Dort existiert bis heute der Studiengang Humanoide Robotik. Schon damals hat mich weniger die Machbarkeit interessiert als die Frage, ob Maschinen überhaupt menschenähnlich sein sollten. Diese Frage begleitet mich seitdem auf der Bühne und in Gesprächen mit Unternehmen, die Entertainment für ihre Veranstaltung suchen, und immer dann, wenn eine Show mehr sein soll als ein Programmpunkt.
In den letzten Jahren sind humanoide Roboter wieder verstärkt durch Medien und Keynotes gewandert. Die bekanntesten Beispiele sind der Optimus von Tesla, Altas von Boston Dynamics, außerdem Figure, Unitree und NEO. Die Argumentation dahinter ist schlüssig. Wenn unsere Welt für Menschen gebaut ist, liegt es nahe, Maschinen ebenfalls menschenähnlich zu gestalten. Zwei Arme, zwei Beine, ein Kopf mit Kameras, der durch Türen passt, Schubladen öffnet und Lichtschalter erreicht. Für industrielle Abläufe, Logistik oder Service-Szenarien ist das nachvollziehbar. Doch genau hier beginnt die Ambivalenz, die auf der Bühne besonders sichtbar wird und die ich bewusst in meine Show einbaue.
Je näher eine Maschine dem Menschen kommt, desto sensibler reagieren wir auf Abweichungen. Ein Blick ohne Ausdruck. Eine Bewegung, die zu flüssig wirkt oder minimal verzögert ist. Eine Stimme, die antwortet, ohne wirklich zu verstehen. Für ein Event oder eine Veranstaltung kann genau diese Irritation ein starkes Entertainment-Element sein. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, wie schmal der Grat ist. Wollen wir wirklich einen menschenähnlichen Roboter, der zu Hause staubsaugt und uns dabei anschaut, ohne uns zu sehen? Diese Frage stelle ich nicht theoretisch, sondern ganz praktisch, wenn Unternehmen mich anfragen, um einen Roboter für ihr Event zu buchen.
Technik sollte sich möglichst unaufdringlich in den Alltag integrieren
Meine eigene Haltung ist klar. Der beste Roboter ist für mich keiner, der menschlich wirkt, sondern einer, der verlässlich funktioniert. Seine Form leitet sich aus seiner Aufgabe ab. Ein Greifarm ist in diesem Sinne ehrlich. Er verspricht nicht, Mensch zu sein. Er behauptet keine Nähe, die er nicht einlösen kann. Genau aus dieser Überzeugung heraus habe ich meine bisherige Roboter Show entwickelt. Auf der Bühne steht kein humanoider Android, sondern eine präzise Kombination aus Greifarm und Tablet. Das iPad ist die sichtbare Benutzeroberfläche, der Arm das ausführende Organ. Für das Publikum ist sofort klar, womit es zu tun hat.
Gerade für Events und Veranstaltungen, bei denen Zukunft, Innovation oder Transformation im Mittelpunkt stehen, funktioniert dieses Bild erstaunlich gut. Ich gebe der Maschine eine Absicht, sie gibt mir Verlässlichkeit zurück. Daraus entsteht kein Konkurrenzverhältnis, sondern Zusammenarbeit. Das ist für mich die Essenz von Mensch mit Maschine und der Grund, warum diese Show mehr ist als reines Entertainment. Sie übersetzt ein abstraktes Thema in eine Erfahrung, die man sehen, hören und einordnen kann. Genau das suchen viele Unternehmen, wenn sie einen Roboter für ein Event buchen möchten.
Wenn ich diese Nummer für Firmen spiele, geht es deshalb nie nur um Effekte. Es geht um Arbeitswelten, um Verantwortung und um die Frage, wie Roboter sinnvoll in Prozesse eingebunden werden können. Maschinen übernehmen Präzision, Wiederholung und Belastung. Menschen behalten Urteilskraft, Intuition und Kreativität. Auf der Bühne wird diese Trennung sichtbar und diskutierbar. Für das Publikum entsteht ein Mehrwert, der weit über den Moment der Show hinausgeht.
Die Entwicklung an der humanoiden Alternative läuft parallel
Nicht als Ersatz, sondern als bewusster Kontrast entsteht derzeit die gegenteilige Idee. Beide Acts gehören für mich zusammen. Der humanoide Roboter als Projektionsfläche für Erwartungen. Der Greifarm als nüchternes, funktionales Gegenmodell. Für Events, Veranstaltungen und strategische Formate entsteht so eine Bandbreite an Entertainment, die unterschiedliche Fragen adressiert und unterschiedliche Reaktionen provoziert.
Hier gibt es weitere Infos zu meiner bisherigen Roboter-Show.
