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Das Thema Roboter in meinem aktuellen Buch

Der folgende Text stammt aus dem Kapitel „Roboter“ meines Buches „Die Magie der KI“ (ISBN: 9783384691057).

Ich war auf einem amerikanischen Kreuzfahrtschiff, als ich beschlossen habe, mir eine neue, möglichst spektakuläre Nummer für meine Show auszudenken. Es war eines der neuesten und größten Schiffe der Welt, mitten in der Karibik. Für mich sind Kreuzfahrtschiffe die ultimative Form von Entertainment, denn in einer in sich abgeschlossenen, komplexen Welt werden alle fünf Sinne gleichzeitig angesprochen. Schmecken und riechen durch das viele Essen an jeder Ecke sowieso, hören und sehen durch das unglaubliche Entertainment‑Angebot und Bewegung durch das leichte Schaukeln des Schiffes, das den Körper daran erinnert, wie schmal die Grenze zwischen Komfort und Abenteuer sein kann. Ich ging durch die zentrale Promenade mit Cafés und Kleinkunstbühnen und entdeckte eine vollautomatische Bar, in der Roboter Cocktails mixen. Gäste konnten sich ihren Drink über ein Display zusammenstellen und zwei Roboterarme bereiteten alles mit stoischer Präzision zu. Bis dahin kannte ich Roboter vor allem aus der Industrie. Hier waren sie plötzlich Teil einer Inszenierung, nicht verborgen hinter Zäunen und Sicherheitsleuchten, sondern als Attraktion. Später erlebte ich in einem Theater an Bord, wie gigantische Roboterarme riesige Displays bewegten und aus Licht, Bewegung und Pixeln ständig neue Bühnenbilder entstehen ließen. Da wusste ich, ich will das Prinzip kleiner und praktikabler machen, mit einem iPad an einem Greifarm. Und ich hatte noch einen zweiten Gedanken. Ich trete für Unternehmen auf, also suche ich immer nach Themen, die für den Berufsalltag meiner Zuschauer relevant sind. Wenn ich zeige, wie Mensch und Maschine miteinander arbeiten, dann soll das nicht nur Staunen auslösen, sondern Gespräche anstoßen, die Montagmorgen im Meeting weitergehen.

Ich habe 2008 an der heutigen Berliner Hochschule für Technik mein Maschinenbaustudium der Theater- und Veranstaltungstechnik abgeschlossen. Dort gibt es auch den Studiengang Humanoide Robotik. Schon damals begleitete mich die Frage, ob Maschinen überhaupt menschenähnlich sein sollten. In den letzten Jahren geistern immer wieder humanoide Roboter durch die Medien. Das bekannteste Beispiel ist vermutlich der Optimus von Tesla. Ich verstehe das Argument, Maschinen so zu bauen, dass sie sich mühelos in unserer für Menschen gemachte Umgebung zurechtfinden. Zwei Arme, zwei Beine, ein Kopf, der sich drehen kann und Kameras trägt, das passt in Türen, greift an Schubladen und erreicht Lichtschalter. Doch die Nähe zum Menschlichen hat ihren Preis. Je näher die Illusion kommt, desto empfindlicher reagieren wir auf Diskrepanzen. Ein Blick, der keinen Ausdruck kennt. Eine Bewegung, die zu flüssig oder einen Hauch zu verzögert ist. Wollen wir wirklich einen menschenähnlichen Roboter, der zu Hause staubsaugt und uns dabei anschaut, ohne uns zu sehen? Ich bin, wie zuvor beim Thema KI schon angedeutet, überzeugt, dass Technik möglichst unauffällig in den Alltag integriert werden sollte. Der beste Roboter ist für mich einer, der klare Aufgaben präzise erledigt und seine Gestalt aus dieser Aufgabe ableitet. Ein Greifarm ist ehrlich. Er verspricht nicht, Mensch zu sein.  

Genau mit dieser Auffassung habe ich die neue Nummer entwickelt. Auf der Bühne steht kein menschenähnlicher Android, sondern eine praxisnahe Kombination aus Greifarm und Tablet. Das iPad ist die sichtbare Benutzer-Schnittstelle, der Arm das ausführende Organ. Ich gebe der Maschine eine Absicht, sie gibt mir Verlässlichkeit zurück. Das ist für mich die Essenz von Mensch mit Maschine. Maschinen tragen die Last der Präzision und der Wiederholung, Menschen dürfen ungenau sein. Wenn ich diese Nummer für Firmen spiele, geht es deshalb nie nur um Effekte. Es geht darum, wie Arbeitsplätze aussehen können, an denen Roboter nicht die Menschen ersetzen, sondern ihnen Spielräume eröffnen. Vielleicht ist das der wichtigste Impuls meines Kapitels über Roboter. Nicht der Traum vom künstlichen Kollegen mit freundlichem Gesicht, sondern die nüchterne Schönheit eines Systems, das tut, wofür es gebaut ist, damit wir Menschen das tun können, wofür wir gemacht sind.

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